Shadowwork / Schattenarbeit
- Anna Rebecca Menges
- 11. Jan.
- 5 Min. Lesezeit
Was ist das? Und warum machen wir sie?
Als ich zum ersten Mal mit Schattenarbeit in Kontakt gekommen bin, hatte ich das Gefühl,
dass sie alle Fragen beantwortet, die ich mir je gestellt hatte,
dass sie alle Lücken füllt, die ich in meinen bisherigen Selbstverwiklichungsversuchen gespürt hatte,
und - sie war für mich der Schlüssel zu mehr Selbstakzeptanz und innerem Frieden.
Heutzutage ist das Konzept von Shadowwork ein wichtiger Bestandteil meines Lebens, egal ob beruflich oder privat, und ich möchte diesen Beitrag nutzen, um sie dir etwas näher zu bringen.
Shadowork - Was ist das?
Sich mit seinen eigenen Schatten beschäftigen, bedeutet, sich mit den Aspekten seiner eigenen Identität & Persönlichkeit auseinander zu setzen, die man ablehnt oder nicht sein möchte.
Das können Persönlichkeitszüge sein, die vielleicht von Bezugspersonen oder der Gesellschaft abgelehnt werden / wurden.
Das können Bedürfnisse, Sehnsüchte oder Wünsche sein, die man als unpassend oder 'nicht-gut' bewertet.
Es können aber auch Identitätsaspekte sein, die als Überlebensstrategie unterdrückt wurden.
Wir alle tun das, wir alle haben sie - unsere Schatten. Unsere menschliche Psyche funktioniert so.
Wenn du herausfinden möchtest, was deine Schattenaspekte sind, welche Anteile du an dir gerne verdrängst oder nicht magst, dann frage dich:
Was verurteile ich an anderen?
Über was könnte ich mich die ganze Zeit aufregen?
Wen oder was bewerte ich (negativ)?
Welche Verhaltensweisen triggern mich?
Indem du herausfindest, was du bei anderen so garnicht leiden kannst, weißt du, dass du das auch an dir selbst verachtest.
Ein Beispiel:
"Du läufst auf dem Gehweg und die Sonne scheint. Du hattest eine gute Arbeitswoche und bei dir zu Hause passt auch alles soweit. Du bist dankbar und atmest die kalte Winterluft ein. Auf einmal siehst du etwas am Wegrand: Hundekacke. Obwohl du weder auf sie draufgestiegen bist, noch der Geruch dich beeinsträchtigt, fängst du innerlich an, die furchtbar aufzuregen. Du kannst es garnicht fassen, dass andere Leute die Hundekacke nicht wegräumen. Das sie so rücksichtslos sind. Den restlichen (ein-stündigen !!) Winterspaziergang lässt dich diese Hundekacke nicht los. Deine gesamte Aufmerksamkeit gilt ihr und deine Wut und Frustration wird immer größer."
So, und wie finden wir nun den Schatten? Ganz einfach: über was hast du dich aufgeregt? Was hat dich so aus dem Konzept gebracht und wortwörtlich festgehalten, dass du den Winterspaziergang nur noch damit beschäftigt warst? Deine Wut über Rücksichtslosigkeit. Du hast dich komplett über rücksichtslose Menschen aufgeregt.
Und voila, das ist ein Schattenaspekt von dir.
Vielleicht wärst du gerne häufiger rücksichtslos, aber du hast als Kind gelernt, dich für andere aufzuopfern?
Oder du hast als Jugendlicher erlebt, wie schmerzhaft es ist, wenn andere rücksichtslos sind und dir geschworen, dass du niemals in deinem Leben rücksichtslos sein wirst?
Wo auch immer diese Ablehnung gegen Rücksichtslosigkeit herkommt - du hast diesen Teil deiner Persönlichkeit weggesperrt. Um alles in der Welt versuchst du, auf keinen Fall rücksichtslos zu sein - und das belastet dich und dein Leben.
Und so kommen wir zum nächsten Punkt:
Shadowork - Warum machen wir sie?
Ich habe erlebt, dass die Arbeit mit den eigenen Schatten ein großer Schlüssel zu mehr Selbstakzeptanz, Selbstsicherheit und innerem Frieden ist. Sie kann dabei helfen, unterdrückte Emotionen und alte seelische Wunden an den Tag zu bringen und sich im Leben stabiler und sicherer zu bewegen.
Shadowwork kann uns aus alten Mustern befreien, uns helfen, Suchttendenzen zu bewältigen und belastende Angstzustände oder depressive Verstimmungen zu lindern.
Doch wie schafft sie das - die gute alte Schattenarbeit?
Stell dir vor, du siehst ein Fundament von einem Haus - es ist löchrig, die Hälfte fehlt, wurde herausgebohrt, ist abgebrochen. Dieses Fundament würdest du wahrscheinlich als unsicher bezeichnen. Die Wände des Hauses haben teilweise große Lücken, es schaut aus, als wären große Stücke herausgeschnitten worden. Wenn du so ein Haus sehen würdest, dann würdest du dir wahrscheinlich 10x überlegen, ob du da einziehst, denn - es könnte ja jeden Moment einbrechen.
Und so ist es auch mit dem Gefühl von Unsicherheit. Wenn wir Aspekte von uns selbst (wie z.B. Rücksichtslosigkeit) ablehnen und diese nicht leben wollen, schneiden wir metaphorisch gesehen Lücken in unser eigenes Fundament, in die eigenen vier Wände. Wir werden instabil, fühlen uns in uns und mit uns nicht mehr so sicher.
Um Selbstsicherheit zurückzugewinnen oder zu etablieren, brauchen wir nicht noch mehr positive Affirmationen, sondern: wir müssen die Lücken, die wir selbst in unsere Wände geschnitten haben, wieder füllen - wir müssen das, was wir nicht sein wollen, auch als Teil von uns selbst akzeptieren und siehe da: die Wände werden wieder stabiler, sie werden standfester - und so auch wir.
Und so ist es auch mit Selbstakzeptanz: es fällt uns unglaublich leicht, die 'schönen' und 'liebenswerten' Seiten an uns zu akzeptieren, sie als positiv zu bewerten.
Doch was ist mit den 'nicht so schönen'? Mit den Seiten, die in unserer Gesellschaft vielleicht nicht so gerne gesehen werden? Oder auch Aspekte, die du als Kind nicht ausleben durftest?
Diese Persönlichkeitszüge lehnen wir häufig sehr ab, versuchen, um alles in der Welt nicht so zu sein - und genau da liegt der Schlüssel: zu lernen, dass auch das, was wir am meisten in uns verabscheuen, auch unsere Liebe und Akzeptanz verdient hat.
Meistens ist es sogar so, dass unsere Mitmenschen diese (Schatten-)Seiten an uns garnicht als störend oder negativ wahrnehmen (so wie wir) - es kann sogar sein, dass sie gerade das an uns so sehr mögen.
Wenn wir nicht anfangen, uns mit unseren eigenen Schatten auseinandersetzen, passiert etwas, was du im Beispiel lesen konntest und wir gerade in der Welt beobachten können: wir projizieren. Projektion bedeutet, dass ich meinen eigenen Schmerz, meine eigene Ablehnung nach außen richte und glaube, dass tatsächlich xy daran Schuld ist und der Grund für meine Wut, Frustration, Angst etc. ist. Wir sehen uns im Recht, den anderen zu beschuldigen, suchen das Problem im Außen und vergessen dabei, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen, lieber in unserem eigenen Keller aufzuräumen.
Wir alle beobachten, wie immer mehr Menschen sich gegenseitig verurteilen, Unverständnis statt Toleranz,
Hass statt Wertschätzung,
Abwertung statt Verständnis leben.
Und es wird Zeit, dass es immer mehr Menschen gibt, die ein Signal setzen, es anders machen.
Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der wir - gerade durch die sozialen Medien - immer leichter unsere Schattenaspekte vertuschen können, etwas vorgeben zu sein, was nichts mit unserer wirklichen Identität zu tun hat und das eine immer größer werdene Belastung für unsere psychische Gesundheit ist.
Je größer die Lücke wird, zwischen dem, wie ich mich nach außen hin präsentiere, und dem, wer ich wirklich bin, desto größer wird die Gefahr von psychischen Krankheiten.
Es gibt nichts Wichtigeres für unsere Essenz, als der ehrliche und authentische Ausdruck unserer Seele - und diese Aufgabe haben wir alle, ab dem Moment, in dem wir auf diese Erde gekommen sind.
In diesem Sinne wünsche ich dir den Mut, immer wieder auch das in dir zu sehen, was du nicht sein möchtest,
deine Becci



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